Die Initiative JA! übergibt ihren Dienst in neue Hände
Die Initiative JA! übergibt ihren Dienst in neue Hände
Nach 22 Jahren des großartigen freiwilligen Engagements verabschiedet sich die Initiative Jung & Alt.
Erste Aktivitäten zum Projekt JA! gab es bereits 2004 in Langenargen. Gabriele Knöpfle, damals verantwortlich für den Sozialdienst in der Seniorenwohnanlage Mühlengärten, stellte in ihrer Arbeit immer wieder fest, dass viele ältere Menschen bei alltäglichen Verrichtungen regelmäßig oder gelegentlich Unterstützung benötigten, zum Beispiel im Zusammenhang mit einer vorübergehenden Krankheit oder auch durch altersbedingte Einschränkungen. Sie entwickelte die Idee für das Projekt, das mit der Hilfe von Kindern und Jugendlichen den Älteren diese Unterstützung ermöglichte und fand in Gisela Sterk, damalige Jugendbeauftragte der Gemeinde, eine begeisterte Mitstreiterin. Gemeinsam entwickelten die Beiden ein Konzept und organisierten das neue Angebot in Trägerschaft der Gemeinde Langenargen.
Ein großer Gewinn für alle Beteiligten: diejenigen, die Unterstützung benötigten bekamen eine kostengünstige Hilfe im Alltag, zum Beispiel beim Einkauf, für Botengänge, leichten Haus- und Gartenarbeiten, kleine Haushaltstätigkeiten, zur Versorgung von Haustieren, bei der Begleitung zu Spaziergängen, sie erhielten Gesellschaft zum Reden, Vorlesen und Spielen oder auch fürs Briefe schreiben. Mit Hilfe der Jugendlichen konnten viele ihre Selbständigkeit und somit ihre Lebensqualität verbessern und erhalten.
Die jugendlichen Helferinnen und Helfer konnten ihre Einsätze zeitlich flexibel gestalten, ihr Taschengeld aufbessern, Erfahrungen mit alten Menschen machen, lernen Verantwortung zu übernehmen, „wertvoll“ für andere sein, positiv wahrgenommen werden.
Aus manchem „Arbeitsauftrag“ entstand über die Zeit eine dauerhafte, fast freundschaftliche Beziehung zwischen den Partnern, die gegenseitig voneinander gelernt haben, Lebensgeschichten ausgetauscht haben und ein Gefühl für die andere Generation, mit ihren jeweils eigenen Herausforderungen, entwickeln konnten. So durfte eines der Mädchen im Projekt von einer alten Dame häkeln und stricken lernen und einem jugendlichen Helfer wurde regelmäßig nach jedem Einsatz beim gemütlichen Beisammensitzen Käsekuchen vom örtlichen Bäcker serviert. Sogar ein Fahrrad bekam einer der Helfer von einem dankbaren Herrn geschenkt. Ganze Helfer-Netzwerke haben sich aufgebaut, um Haustiere im Krankheitsfall von älteren Leuten vor und nach der Schule zu versorgen und Gassi zu führen.
Über das Projekt wurden viele an das Thema „Ehrenamt“ herangeführt. Es wurden kostenfreie Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote organisiert, oder auch gemeinsame Aktionen angeboten, wie zum Beispiel ein Selbstverteidigungskurs, Kanu fahren auf der Schussen, Besuch des Kletterwaldes Kressbronn und Ausflüge in den Europa-Park/Rust oder ins Spaßbad. Mit Zuschüssen aus einem Förderprogramm der Pflegekassen und aus der Gemeinde konnten solche Aktionen immer wieder finanziert werden.
Gestartet war das Projekt mit 12 jugendlichen Helferinnen und Helfern und schon im zweiten Jahr waren es 24 Engagierte. Das Vertrauen der Seniorinnen und Senioren mussten sie sich jedoch mühsam erarbeiten. Mit der Bewerbung beim Seniorennachmittag, in der Seniorenbegegnungsstätte, über die Ärzte und Pflegedienste sowie über den Bürgermeister konnte die Skepsis aber allmählich weichen. 47 ältere Bürgerinnen und Bürger haben im ersten Jahr insgesamt 91 Aufträge erteilt. Über die Jahre hat sich das Auftragsvolumen und auch die Zahl der Helfenden durch Projektvorstellungen an der Schule, Postkartenaktionen und durch Mund-zu-Mund-Propaganda weiter vergrößert bis dann die Hauptschule nach 2014 nur noch als Grundschule geführt wurde und die älteren Schülerinnen und Schüler nicht mehr so präsent im Ort waren. Der nächste große Einschnitt kam mit Corona: „Jung & Alt“ musste pausieren. In dieser Zeit sind viele Jugendliche aus der Initiative ausgeschieden und nur noch wenige Interessierte kamen nach.
Seit einiger Zeit können über die noch verbliebenen Helferinnen und Helfer nur noch einige „Daueraufträge“ bedient werden. Leider mussten die Verantwortlichen in der Gemeinde sich nun dazu entschließen das Angebot einzustellen.
Alternative Hilfsangebote gibt es in Langenargen glücklicherweise inzwischen in ausreichender Form. So kann über die „Kleinen Hilfen“, nun mit erwachsenen Ehrenamtlichen, manch spontanes Problem gelöst werden, die Organisierte Nachbarschaftshilfe ist auch dauerhaft für ältere Menschen im Einsatz und für vieles was die Jugendlichen in den vergangenen Jahren z.B. an Gartenarbeit geleistet haben, gibt es inzwischen gewerbliche Dienste.
Die Gemeinde Langenargen dankt allen Freiwilligen, die sich über die 22 Jahre eingebracht haben und zu einem guten Miteinander zwischen den Generationen beigetragen haben. Das ist sensationell und gab es in dieser Form in der Region fast nirgendwo.
Dank auch an alle, die den Dienst genutzt haben und den Jugendlichen ihr Vertrauen geschenkt haben.
Mit einem Geschenk und einer Einladung zum gemeinsamen Abendessen verabschiedet sich die Gemeinde vom Team der Initiative JA!

